Baustelle Gesundheit Oberösterreich

8. Juni 2022
Felix Eypeltauer

Mediziner_innenmangel, eine nicht durchdachte Umsetzung der Pflegereform, viele offene Kassenstellen, versprochene MRT-Geräte als vermeintliche Wahlkampfzuckerl, auf die Oberösterreich nach wie vor warten muss – das sind nur einige der offene ‚Baustellen‘ in Oberösterreichs Gesundheitssystem. NEOS OÖ haben daher eine Anfrage an LH-StV. Haberlander eingebracht, um zu erfragen, wie sie den gravierenden Mediziner_innenmangel in Oberösterreich beheben will. Denn was bisher präsentiert ist, ist mehr als unbefriedigend, so die stellvertretende NEOS-Klubobfrau Julia Bammer: „Die angedachte Zwangsverpflichtung der Wahlärzt_innen zu Notdiensten oder die Errichtung neuer ÖGK-Kassenstellen ohne jeglichen Plan, wie diese besetzt werden sollen, haben nicht die gewünschte Erleichterung für Patient_innen und Mediziner_innen gebracht. Wir wünschen uns von LH-Stv. Christine Haberlander sich rasch darum zu kümmern, das Fundament des Oö. Gesundheitssystems zu festigen, bevor wild darauf herumgebaut wird. „Reine Detailkosmetik wird da nicht mehr reichen. Der aktuelle Bericht aus Mattighofen, wo eine Kassenstelle auch nach 20-facher Ausschreibung nicht besetzt werden kann, zeigt leider, wie tief die Schlaglöcher in unserem Gesundheitssystem schon sind. "Eine ernsthafte, konstruktive Zusammenarbeit zwischen Politik, ÖGK und Ärztekammer wäre hier besonders förderlich und wichtig.“ 

Bammer weist darauf hin, dass es dazu dringend eine grundsätzliche Evaluierung des Verrechnungsmodels der Kassenärzt_innen brauche: „Was es in Oberösterreich tatsächlich braucht, um die Kassenstellen zu attraktivieren, besteht nicht bloß aus Gruppenpraxenmodellen oder aus der Zusammenarbeit von Ärzt_innen mit Vertragsärzt_innen auf Basis eines freien Dienstvertrages. Die Verrechnungsmodelle der Kassenärzt_innen sind eine der großen Stellschrauben, die vor allem in einem Flächenbundesland wie Oberösterreich enorme Bedeutung haben. Seitens des Landes verschließt man davor aber die Augen und flüchtet sich in immer kühnere Pläne, die völlig am Problem vorbeigehen", fügt Bammer hinzu.

Besonders am Herzen liegt der Gmundner Abgeordneten das Thema der psychischen Gesundheit vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Bammer kritisiert dabei die bisher stiefmütterliche Behandlung des Thema Mental Health in Oberösterreich. "Schulsozialarbeiter_innen sind für das Contact Tracing abgezogen, auf eine_n Schulpsycholo_gin kommen aktuell über 6000 Schüler_innen und wir kämpfen ganz massiv mit den Folgen der Pandemie. Das zeigen auch die aktuelle Familienbefragung und die AK-Studie zum Thema mental health, laut der über ein Drittel der Unter 25-Jährigen in Ausbildung Suizidgedanken hat. Dazu kommen auch noch hunderte teils traumatisierte Kinder und Erwachsene aus dem Kriegsgebiet Ukraine“, so Bammer, die die Forderung der NEOS nach einem runden Tisch zum Thema Mental Health noch vor den Ferien bekräftigt. Neben den Pädagog_innen, den Familien und den Kindern selbst, trifft die Mental-Health-Krise nämlich auch die niedergelassenen Ärzte ganz massiv.