Marsch durch die Dunkelheit: Angsträume in Linz
Wer abends in Linz unterwegs ist, kennt das Gefühl: Man geht nicht immer den direkten Weg, sondern den, der sich sicherer anfühlt. Man biegt anders ab, meidet eine Unterführung oder geht lieber außen um einen Park herum. Nicht, weil überall etwas passiert – sondern weil manche Orte so wirken, dass man dort nicht gerne allein unterwegs ist.

Genau deshalb haben wir einen Marsch durch die Dunkelheit gemacht. Wir wollten Angsträume nicht nur diskutieren, sondern sie uns direkt vor Ort anschauen: Wie wirken diese Orte? Was macht sie unangenehm? Und vor allem: Was müsste sich ändern, damit man sie wieder selbstverständlich nutzt?
Schnell wurde klar: Es geht nicht nur um Licht. Natürlich spielt Beleuchtung eine Rolle. Aber Angsträume entstehen meist dort, wo mehrere Dinge zusammenkommen: schlechte Orientierung, unübersichtliche Ecken, mangelnde Pflege, unangenehme Gerüche, fehlende Aufenthaltsqualität und das Gefühl, dass ein Ort sich selbst überlassen wurde.
Gerade bei Alltagswegen ist das ein Problem. Parks, Unterführungen und Wege rund um den Bahnhof sind keine Nebenschauplätze, sondern Verbindungen, die Menschen ganz normal nutzen – am Weg zur Arbeit, zum Zug, zum Einkaufen oder nach Hause. Wenn solche Wege abends gemieden werden, dann ist das nicht bloß ein subjektives Unbehagen. Dann stimmt etwas mit der Gestaltung des öffentlichen Raums nicht.
Ein besonders greifbares Beispiel ist die Unterführung bei der Rudolfstraße mit dem Aufgang Richtung Billa. Dort geht es nicht nur um die bauliche Situation oder die Einsehbarkeit, sondern auch ganz banal um den Zustand des Ortes. Wenn schon der Geruch beim Durchgehen unangenehm ist, zeigt das, dass es hier nicht nur um Sicherheit im engeren Sinn geht, sondern auch um Pflege, Sauberkeit und die Frage, wie ernst die Stadt solche Orte nimmt.
Dasselbe gilt für Parks. Ein Park sollte ein Ort sein, an dem man sich gerne aufhält oder den man zumindest ohne mulmiges Gefühl queren kann. Wenn Menschen bewusst außen herum gehen, weil sie sich im Park unwohl fühlen, dann verfehlt der öffentliche Raum seinen Zweck. Genau darum geht es: Öffentliche Räume müssen so gestaltet sein, dass sie für alle nutzbar sind – nicht nur tagsüber, sondern auch am Abend.
Was es braucht, ist deshalb ein Zusammenspiel aus mehreren Maßnahmen. Gute Beleuchtung entlang der tatsächlichen Wege gehört dazu. Ebenso wichtig sind aber klare Sichtachsen, saubere und gepflegte Zugänge, Orientierung und vor allem eine stärkere Belebung solcher Orte. Gerade Parks funktionieren anders, wenn sie nicht nur als Durchgangsraum wahrgenommen werden, sondern als Orte, an denen auch positives öffentliches Leben stattfindet.
Unser Eindruck aus der Begehung war jedenfalls eindeutig: Angsträume sind kein abstraktes Thema. Sie beeinflussen ganz konkret, wie Menschen sich in ihrer Stadt bewegen. Wer Umwege macht, schränkt sich ein. Wer Orte meidet, nutzt die Stadt nicht frei. Und genau deshalb darf man das nicht als Nebensache behandeln.
Wir werden die Eindrücke aus dem Marsch durch die Dunkelheit weiter aufbereiten und konkrete Vorschläge daraus ableiten. Denn eine Stadt, in der man Wege nur bei Tageslicht selbstverständlich nutzt, ist nicht gut genug. Linz muss so gestaltet sein, dass man sich auch am Abend sicher, frei und selbstverständlich bewegen kann.



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