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Mentale Gesundheit gehört ernst genommen

Hilfe, bevor es kippt – in Kindergarten und Schule, in der Versorgung und im Alter

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Mentale Gesundheit ist längst keine Randfrage mehr. Immer mehr Menschen erleben Stress, Druck, Überforderung, Einsamkeit oder psychische Belastungen. Und viele stoßen genau dann, wenn sie Hilfe brauchen, auf lange Wartezeiten, komplizierte Wege und schwer erreichbare Unterstützung. Für uns NEOS ist klar: Psychische Gesundheit verdient dieselbe politische Aufmerksamkeit wie körperliche Gesundheit. Es geht um Vorsorge, Zugang, Bildung, Versorgung und soziale Teilhabe.

Deshalb haben wir das erste Halbjahr 2026 unter das Motto „Mentale Gesundheit gehört ernst genommen“ gestellt. Im Zuge unserer Mental-Health-Kampagne konnten Menschen in Oberösterreich anonym rückmelden, wo es beim Zugang zu psychologischer, psychotherapeutischer und psychiatrischer Hilfe hakt. Das Ergebnis ist eindeutig: 77 Prozent der Befragten sehen einen steigenden Bedarf an psychosozialer Unterstützung. 66 Prozent sagen, der Zugang sei nicht niederschwellig. Und 77 Prozent haben kein Vertrauen, dass die Versorgungslage dem Bedarf ausreichend gerecht wird.

Diese Rückmeldungen decken sich mit den Befunden des Oö. Landesrechnungshofs. Das erforderliche Leistungsangebot in den oö. Fondskrankenanstalten konnte aufgrund von Personalmangel nicht realisiert werden. Besonders angespannt ist die Lage in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. „Der Bedarf steigt, der Zugang ist zu schwer, und die Strukturen kommen nicht schnell genug mit. Mentale Gesundheit darf in Oberösterreich nicht vom Zufall abhängen – nicht vom Wohnort, nicht vom Einkommen und nicht davon, ob man die richtigen Personen kennt“, sagt NEOS-Landessprecher und Klubobmann Felix Eypeltauer.

Zu wenige Psychiater:innen, zu lange Wartezeiten

Ein zentrales Problem sind die langen Wartezeiten. Sie sind nicht nur eine Frage der Organisation, sondern auch Folge eines strukturellen Nachwuchs- und Attraktivitätsproblems in der Psychiatrie. Beim Runden Tisch von NEOS OÖ mit Expertinnen aus Oberösterreich wurde deutlich: Gerade die Akutpsychiatrien stehen unter massivem Druck. Wenn Psychiater:innen fehlen, Kassenstellen knapp sind und viele in den Wahlarztbereich ausweichen, entsteht eine gefährliche Schieflage. Wer zahlen kann, kommt schneller dran. Wer nicht zahlen kann, wartet. Das ist genau jene Zweiklassenmedizin, die wir bei psychischer Gesundheit verhindern müssen.

Gleichzeitig müssen wir viel früher ansetzen. Mentale Gesundheit beginnt nicht erst beim Arzttermin. Viele Belastungen werden schon in der Familie, in der Krabbelstube, im Kindergarten oder in der Schule sichtbar. Bildungseinrichtungen sind keine Therapieeinrichtungen, aber sie sind zentrale Orte der Prävention. Pädagog:innen merken oft als Erste, wenn ein Kind Unterstützung braucht. Deshalb müssen sie gestärkt werden – nicht mit noch mehr Verantwortung, sondern mit echter Unterstützung.

NEOS OÖ bringt daher einen neuen Initiativantrag ein: „Damit Beziehung gelingt: Supervision, Fallbesprechung und Mentoring für Pädagog:innen“. Wir fordern eine Förderung für frei wählbare Supervision, professionelle Fallbesprechung und Mentoring für Pflichtschullehrer:innen und Elementarpädagog:innen. „Pädagog:innen sollen nicht zu Therapeut:innen gemacht werden. Aber sie brauchen professionelle Unterstützung, um schwierige Situationen gut einordnen, reflektieren und begleiten zu können“, sagt NEOS-Gesundheits- und Bildungssprecherin Julia Bammer.

Mental Health Days: Prävention wirkt

Auch die Mental Health Days zeigen, wie wichtig Prävention im Lebensraum Schule ist. Die aktuelle Studie macht Mut: Jugendliche verbringen weniger Zeit am Smartphone und in sozialen Netzwerken, die Lebenszufriedenheit steigt, depressive Symptomatik geht zurück. Gleichzeitig gibt es keinen Grund zur Entwarnung: Viele Jugendliche berichten weiterhin von Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit oder belastenden Gedanken. „Wenn wir mit Jugendlichen über psychische Gesundheit sprechen, brauchen wir auch Erwachsene im System, die diese Gespräche tragen können“, betont Golli Marboe, Initiator der Mental Health Days.

Mentale Gesundheit endet aber nicht mit der Schule. Auch Einsamkeit im Alter, Demenz, fehlende soziale Kontakte und passende Wohn- und Betreuungsformen werden immer wichtiger. Oberösterreich braucht daher einen ressortübergreifenden Mental-Health-Plan: mit Prävention in Kindergarten und Schule, Unterstützung für Pädagog:innen, niederschwelliger Hilfe, kürzeren Wartezeiten, einer Attraktivierung des Berufsbildes Psychiatrie und Maßnahmen gegen Einsamkeit im Alter.

Denn mentale Gesundheit darf nicht erst Thema werden, wenn es kippt. Oberösterreich muss früher helfen.

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