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Zur Leitkultur

Gerade in der aktuellen Situation, in der ein politischer Islam Europa und unsere Werte herausfordert, schwadronieren konservative und rechte Politiker wie Landeshauptmann Thomas Stelzer oder der freiheitliche Manfred Haimbucher über die „christlich-abendländische Kultur“. Diese solle als Leitkultur den Migranten verpflichtend nahegebracht werden. Schließlich verdanken wir unseren heutigen Wohlstand, unseren Frieden und unsere Freiheiten eben dieser Basis, so deren Argumentationslinie. Doch stimmt das wirklich?

Experten kritisieren die Verengung auf das „christlich-abendländische“ scharf. Primär deshalb, weil die zentrale Bedeutung der Antike auf die europäische Idee, unser demokratisches Verständnis, unsere politische Kultur aus römischer oder auch griechischer Zeit völlig ignoriert wird. Zurecht sieht man schließlich die Wiege unserer Kultur in Athen und nicht in Betlehem.

Selbst die islamisch-arabische Kultur war immerhin vom 8. bis zum 14. Jahrhundert, ihrer Blütezeit, von großem Einfluss.

Objektiv müssen wir also anerkennen, dass sowohl griechische, römische, jüdische, christliche und islamische Einflüsse unser heutiges Europa maßgeblich mitgestaltet haben.

Vom wichtigsten Einfluss auf das moderne Europa noch gar nicht zu sprechen. Der Aufklärung.

Gegen den Willen der christlichen Kirchen und Herrscher fordert sie den „Mut, sich deines eigenen Verstandes zu bedienen“. Damit führt sie völlig neue Werte als Legitimationssäulen politischer Herrschaft ein. Bis in unser Jahrhundert werden die Prinzipien der liberalen Demokratie, der Gewaltenteilung, der individuellen Selbstbestimmung von den Kirchen als gegen die „göttliche Ordnung“ zurückgewiesen.

Erst durch diese Aufklärung entsteht das freie, sich selbst verantwortliche Individuum. Erst durch sie beginnt Europa den eigenen Verstand und die Sinne zu gebrauchen, zu reflektieren, in Frage zu stellen und Konsequenzen zu fordern. Erst jetzt rückt der Mensch in den Mittelpunkt und nicht mehr Gott und seine gottgewollte Ordnung.

Das ist der wahre Geist Europas. Unser innerster Kern.

Durch sie entstanden einzigarte Errungenschaften wie die Idee unveräußerlicher Menschenrechte. Nach dem Schrecken zweier Weltkriege führte das letztlich auch zur Idee eines geeinten Europas. In Vielfalt. In Frieden. Und in Wohlstand.

Die aktuelle Forderung genau jetzt, in Zeiten der Herausforderung, zum „Christlich-Abendländischem“ zurückzukehren, verhöhnt diese jahrhundertelange Tradition, stärkt islamistische Strömungen, denen genau diese wichtige Entwicklung der Aufklärung fehlt und stellt den Repräsentanten unserer Landesregierung ein bestenfalls bemitleidenswertes Urteil aus.