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Ich hatte Glück

06.03.2015 Judith Raab

Für meine Eltern war es selbstverständlich, all ihren Kindern – egal ob Söhne oder Töchter – die gleichen Chancen im Leben zu ermöglichen. Wir genossen die gleiche Liebe und Zuwendung, hatten auch gleichwertige Aufgaben und Verpflichtungen am elterlichen Bauernhof.

Wir waren 6 Kinder, 3 Buben und 3 Mädchen. Unsere Familienaufgaben erledigten wir sowohl in der Werkstatt, bei Holzarbeiten, oder im Garten. Weder meine Mama noch mein Papa wären auf die Idee gekommen, uns Mädchen schlechter zu behandeln, einfach weil wir Mädchen waren. Ganz im Gegenteil: Mein Vater hatte große Freude an meinem handwerklichen Interesse, ich durfte in seiner Werkstatt mit allen Maschinen und Werkteilen hantieren. Ich war begeistert von der Vielfalt an technischen Geräten, mein Vater genoss in aller Stille unsere gemeinsame Leidenschaft für sein Hobby.

Es waren die 80iger, und wir waren eine Bauernfamilie am Land. Für viele Mädchen im Ort hieß es: heiraten, Kinder bekommen, Nest schaffen, Haus bauen. Bildung und Frauen, das waren im Bewusstsein vieler nach wie vor Gegensätze. Viele meiner Schulfreundinnen waren besonders begabte Mädchen, erhielten im Leben allerdings nie die Chance ihre Talente auch ausleben zu dürfen.

Ich hatte – wie gesagt – Glück, war aber auch besonders wissbegierig und konsequent. Ich habe maturiert, mehrere Studien abgeschlossen und war generell die erste Uni-Absolventin in meiner gesamten Familie. Bildung ist für mich mein Herzensthema. Ich habe selbst erlebt, dass Bildung in Österreich vererbt wird, und der Bildungsstand der Eltern über die Zukunft der Kinder maßgeblich entscheidet.

Ich will aber nicht, dass Glück notwendig ist, damit Mädchen Zugang zu jener Bildung bekommen, die ihren Fähigkeiten und Begabungen entspricht. Es soll selbstverständlich sein, dass junge Frauen ihre Talente ausleben und entfalten dürfen. Das ist mit ein Grund, warum ich mich politisch engagiere, dafür setze ich mich mit voller Überzeugung ein, nicht nur am internationalen Frauentag.